Noch nie war so viel Anfang wie jetzt. Wir erleben derzeit – ohne zu Übertreiben – einen historischen Moment in der Menschheitsgeschichte, in welchem wir Menschen den Übergang erleben, von KI als klügste Spezies auf dieser Welt abgelöst zu werden. Die Folgen am Arbeitsmarkt werden disruptiv sein, denn wir stehen erst am Anfang. Die große weltweite KI Party hat gerade erst begonnen. AGI (Artificial General Intelligence), an der derzeit in den globalen KI-Entwicklungslaboren intensiv geforscht wird , wird die Spielregeln der Zusammenarbeit zwischen humaner und künstlicher Intelligenz radikal verändern. Ein Land wie Deutschland, dessen wichtigste Ressource im internationalen Wettbewerb zwischen unseren beiden Ohren wächst und nicht im Boden vergraben ist, muss ein besonders hohes Interesse daran haben, die Fähigkeiten zu stärken, die wir für unsere erfolgreiche Kollaboration mit Technologie benötigen. Zwei große Handlungsfelder in der KI-Bildung werden eklatant sichtbar:
„Herausforderung an der Spitze“: Wir brauchen Menschen in diesem Land, die KI auf Weltklasseniveau entwickeln und in skalierbare Geschäftsmodelle übersetzen können. Zudem ist es angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich AGI geboten, die Forschung darauf zu fokussieren, wie wir als Menschheit die Kontrolle über KI behalten und uns vor Missbrauch schützen.
„Herausforderung in der Breite“: Flächendeckend brauchen wir Menschen, die KI sicher und verantwortungsvoll anwenden können und dabei das Selberdenken und kritische Denken nicht verlernen.
Bereits im Jahr 2030 wird KI-Kompetenz so selbstverständlich vorausgesetzt werden wie die Fähigkeit heute, einen PC bedienen zu können. So wie heute in nahezu jedem Job der PC und dessen Nutzung eine integrale Rolle im Arbeitsalltag spielt, so werden KI-Systeme, KI-Assistenten und KI-Agenten zum Standard in unserem zukünftigen Arbeitsalltag werden. Dafür müssen wir in den kommenden Jahren erlernen, wie wir durch eine komplementäre Zusammenführung unserer humanen Intelligenz mit der künstlichen Intelligenz eine leistungsstarke Co-Intelligence und damit unsere Teamfähigkeit mit KI entwickeln.
Jetzt ist sicherlich der falsche Zeitpunkt, um träge zu sein und die technologische und damit ökonomische Zeitenwende zu verschlafen. Oder anders gedrückt: Noch nie war es spannender und relevanter, unsere Teamfähigkeit mit KI jeden Tag zu stärken.
Die heutige Newsletter-Ausgabe ist daher der Frage gewidmet, was 26 essentielle Fähigkeiten für das kommende Jahr 2026 sind, die wir in der Gegenwart benötigen und heute schon für morgen stärken sollten, um gezielt jene Teile unserer humanen Intelligenz zu fördern, die wir als Komplementärfähigkeiten für den Aufbau einer leistungsfähigen Co-Intelligence benötigen.
Was also sind die branchen- und funktionsübergreifenden Fähigkeiten, die für uns alle in 2026 von ausgeprägter Bedeutung sind, unabhängig davon, ob wir Ärzte, Lehrer, Journalisten, Kreative oder Handwerker sind oder in Unternehmen als Personaler, Vertriebler, Controller, Entwickler arbeiten oder ob wir Mitarbeiter oder Führungskräfte sind?
Hier mein persönlicher Vorschlag in vier verschiedenen Kategorien, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Managing Yourself
- Fähigkeit, zu lernen, verlernen, neu zu lernen
- Persönliche Resilienz
- Fähigkeit, wertebasiert und ethisch zu agieren
- Fähigkeit, kritisch zu denken
- Fähigkeit, Fragen zu stellen, die noch nie gestellt worden sind
- Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbsttransformation
- Fähigkeit, Empathie für sich selbst zu empfinden
- Offenheit und Neugier
- „Grit“: Positive Sturheit bei der Zielerreichung
Managing Cooperation with other Humans
- Fähigkeit, Empathie für andere zu empfinden
- Fähigkeit, mit diversen Menschen zu kooperieren
- Kommunikationsstärke mit Fingerspitzengefühl, kontextualem Gespür und Wertschätzung
- Fähigkeit, tiefe und tragfähige zwischenmenschliche Beziehungen sowie Vertrauen aufzubauen
- Fähigkeit, „magic moments between humans“ zu schaffen
- Fähigkeit, Unterstützungsbedarf durch andere zu erkennen und diese einzuholen Managing Cooperation with Technology
- Grundlegendes Verständnis relevanter Technologien wie KI (Funktionsweisen, Potenziale, Risiken)
- Tool-Kompetenz: Fähigkeit, relevante Tools sicher und effektiv anwenden zu können
- Rollenverständnis: Verständnis für die eigene menschliche Rolle und Verantwortung in Zusammenarbeit mit Technologie
- Anschlussfähigkeit: Fähigkeit, fachliche Expertise und Domainwissen mit Technologie-Kompetenz zu verknüpfen und dadurch Mehrwert in konkreten Anwendungen zu schaffen
- Fähigkeit zum gesunden, ausbalanciertem Umgang mit Technologien Managing Business
- Datenkompetenz: Grundlegendes Verständnis für Datenanalyse, für den Wert von Daten sowie Bewusstsein für Datenschutz und Datensicherheit
- Fähigkeit, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen
- Fähigkeit zum Umgang mit Multirationalität
- Fähigkeit, organisationale Resilienz und organisationale Agilität zu entwickeln
- Fähigkeit, strategisch und out-of-the-box zu denken
- Verlustkompetenz: Fähigkeit, das Gute und Gewohnte aufzugeben, um das Zukunftstfähige zu schaffen (inkl. Fähigkeit, die Empörung über unpopuläre Entscheidungen auszuhalten)
Ich bin mir sicher, dass sich Investitionen in diese 26 Fähigkeiten auszahlen werden, da die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen dafür sprechen, dass sie immer wichtiger werden. Aber es geht nicht nur darum, Fähigkeiten zu stärken, sondern auch darum, sich bewusst zu machen, was uns als Menschen auszeichnet und im positiven Sinne von Technologie und ihren Fähigkeiten differenziert. Da Maschinen immer besser darin werden, gute Maschinen zu sein, sollten wir Menschen immer besser darin werden, richtig gute Menschen zu sein.
Vier Reflexionsfragen mit nachhaltiger Wirkung
Wenn ich meine Kinder abends in Bett bringe, gehört es zu unserem Einschlafritual, dass ich Ihnen folgende vier Fragen stelle:
Was war Dein Schönstes heute?
Für was bist Du dankbar?
Wem hast Du heute Gutes getan?
Was hast Du heute Neues gelernt?
Diese Fragen und die Antworten darauf schärfen unseren Blick auf das, was uns Menschen auszeichnet und unser Leben bereichert. Diese Teile unserer emotionalen Intelligenz erfordern ein Bewusstsein, erlebte Erfahrungen, ein tiefes Verständnis von Gefühlen und Bedürfnissen von uns selbst und anderen. Diese Facetten unserer humanen Intelligenz haben kein Verfallsdatum. Sie bleiben wertvoll und komplementär zu dem, was wir in unseren Paartanz aus Mensch und Maschine einbringen können.
Und jetzt?
„We enter a very unfamiliar world.“
Die Chancen des Gelingens und des Scheiterns liegen sehr nahe beieinander. Sowohl die Chancen durch KI sind riesig, jedoch auch die Risiken für uns als Menschheit. Der beste Weg, das Gelingen der KI-Transformation zu fördern und das Scheitern zu verhindern, liegt darin, aktiv mitzugestalten und uns als mündige Bürger und Konsumenten aktiv in die Diskussion einzubringen. Dafür brauchen wir die richtigen Fähigkeiten und das Versprechen an uns selbst, das Menschliche in uns zu stärken.
Ich hoffe, meine Forschungsarbeiten und Publikationen leisten hierzu einen Beitrag. In diesem Sinne: Happy and continious learning, unlearning, new learning.
Herzlich
Eure
Yasmin Weiß
Ankündigung in eigener Sache: Dieser Newsletter hat inzwischen eine so hohe Reichweite erzielt, dass ich ab Oktober in deutsch und englisch in einer Premiumversion mit vertiefendem Content auf der internationalen Content-Plattform Substack veröffentlichen werde. Die englischsprachige Version ist bereits dort publiziert. Ich freue mich, Euch dort mit weiterführenden Insights und neuesten Forschungsergebnissen versorgen zu können und den internationalen Diskurs dort zu führen.