Das neue Jahr 2025 ist noch nicht alt, doch im Bereich KI ist bereits in den ersten drei Wochen viel Bemerkenswertes passiert.

Meine persönliche Assistentin, die nicht nur meinen beruflichen und privaten Alltag organisiert, sondern auch an den Inhalten meiner Arbeit interessiert ist, stellte mir diese Woche die Frage, welche Auswirkungen die letzten Entwicklungen im Bereich KI auf ihre Arbeit haben werden. Meine Antwort auf ihre Frage findet Ihr am Schluss.

Investitionen und KI Automatisierung neuen Ausmaßes

Was also ist in den ersten Wochen diesen Jahres schon passiert, was Ausdruck der hohen Veränderungsgeschwindigkeit und -intensität im Bereich KI ist?

  • Zum einen die Vorstellung von Projekt „Stargate“ der neuen US Regierung, mit dem das „größte KI-Infrastrukturprojekt der Geschichte“ geschaffen und in den kommenden Jahren 500 Milliarden Dollar investiert werden sollen. Mit dieser gewaltigen Summe sollen in den USA die KI-Entwicklung massiv vorangetrieben, bis zu 20 neue Rechenzentren gebaut sowie 100.000 neue Jobs geschaffen werden. Deutschland und Europa dürfen jetzt nicht pennen, denn lauter kann der „Wake-Up-Call“ nicht sein, dass anderswo im Bereich KI auch nicht geschlafen, sondern groß gedacht wird. Die neue Bundesregierung, die wir in wenigen Wochen wählen werden, ist gut beraten, unsere eigenen Investitionen in KI-Entwicklung, KI-Infrastruktur, KI-Bildung und in die technologische Souveränität Europas in gänzlich neuen Dimensionen anzugehen. Hier ist nicht nur die Politik, sondern die Wirtschaft und schlussendlich wir alle gefragt.
  • Zum anderen sind nun die KI-Agenten auf den Markt gekommen, die nach und nach unseren Arbeitsalltag erobern werden. OpenAI beispielsweise hat diese Woche seine in ChatGPT integrierten KI-Agenten mit dem Namen „Operators“ vorgestellt, die zunächst nur ausgewählten Nutzern in den USA zur Verfügung stehen. Ich werde diese Agenten ebenfalls bald testen und werde berichten. KI Agenten fungieren grundsätzlich als „Cobots“ – also Kollegen, die Roboter sind – und sich auf unsere Endgeräte aufschalten. Sie können selbstständig Aufgaben ausführen, indem sie das Internet ähnlich wie ein Mensch nutzen, bspw. das Navigieren auf einer Website oder das Klicken auf Schaltflächen. Die Agenten können damit eigenständig Aufgaben wie das Terminieren von Meetings und Raumbuchungen, die Buchung von Flügen und Hotels, Onlinebestellungen oder Tischreservierungen in Restaurants vornehmen. Sie berücksichtigen dabei unseren Terminkalender und unsere persönlichen Präferenzen. Sie können Alltagsaufgaben ausführen, die wenig kritisch sind, aber Zeit kosten. Die wertvolle Arbeitszeit kann reallokiert oder eingespart werden. Die Übernahme von administrativen Tätigkeiten ist hier nur der Anfang; zukünftig sollen auch komplexere Aufgaben von KI Agenten übernommen werden. Sam Altman, CEO von OpenAI, bezeichnet die KI Agenten als „der nächste große Durchbruch“ im Bereich KI. Die Fähigkeit, an Technologie in neuem Ausmaß zu delegieren, bei gleichzeitigem Gespür, wann wir Menschen eingreifen und kontrollieren müssen, zählen zu den Future Skills, die wir für diese neue Form der Zusammenarbeit aus Mensch und Maschine entsprechend neu entwickeln müssen.
  • Eine andere Meldung in Form einer bemerkenswerten These hat mich diese Woche am meisten zum Nachdenken angeregt: Goldman Sachs CEO, David Solomon, sagte auf einer Konferenz in Palo Alto, dass in seiner Branche – dem Investmentbanking – 95 % (!) der menschlichen Arbeitsleistungen bei wiederkehrenden Aufgaben von KI erledigt werden können. Konkret bezog er seine Aussage auf das Erstellen der für einen IPO (Börsengang) erforderlichen Unterlagen und das Ausfüllen von Formularen mit präzisen Daten und Erklärungen zum Unternehmen, bei denen keine Fehler gemacht werden dürfen. Während dafür früher ein hochqualifiziertes sechsköpfiges Team aus Investmentbankern und Analysten für zwei Wochen beschäftigt war, benötigt die KI laut Solomon nur wenige Minuten. Seine Schlussfolgerung daraus war: “The last 5% now matters because the rest is now a commodity.” Teams in seinem Unternehmen werden nun qualifiziert, die entscheidenden 5% menschliche Differenzierungsexzellenz in den Arbeitsprozess und damit ins Endergebnis einzubringen. Den Rest mache die Technologie.

Menschliche Differenzierungsexzellenz – Worauf es jetzt ankommt

Das Statement von David Solomon hat mich nachdenklich gemacht. Denn das Grundprinzip dahinter, das auch auf andere Branchen und Tätigkeitsbereiche übertragen werden kann – ist folgendes: Wenn weite Teile unserer menschlichen Arbeitsleistung automatisiert werden können, werden weite Teile unserer Arbeit eben auch vergleichbar und damit grundsätzlich austauschbar (commodity). Smarte Technologie skaliert nach und nach, wird dann überall eingesetzt und führt dann überall zu recht vergleichbaren Ergebnissen. Dieses neue Level an Automatisierung durch KI hat zwei Konsequenzen:

  • Quantitativ: Wir brauchen perspektivisch in Summe weniger menschliche Arbeitskraft für die gleiche Menge an Arbeit.
  • Qualitativ: Wir brauchen menschliche Differenzierungsexzellenz in doppelter Hinsicht: Menschen, die in den Arbeitsprozess etwas hineingeben, was die Maschinen nicht können. Und Menschen, die so arbeiten, dass das Ergebnis eben nicht austauschbar, sondern wettbewerbsdifferenzierend ist.

Das Beispiel aus dem Investment Banking mag besonders weitreichend sein und natürlich sind nicht überall 95% der menschlichen Tätigkeiten automatisierbar. Und dennoch zeigt dieses Beispiel eines sehr deutlich:

Nämlich dass wir uns als Individuen und Unternehmen die folgende Frage ernsthaft stellen müssen: In einer Arbeitswelt, in der immer mehr automatisiert werden kann und sukzessive automatisiert werden wird, was sind die entscheidenden 5 (oder je nach Tätigkeit 10, 15 oder 25) Prozent menschliche Exzellenz, mit der wir im positiven Sinne wettbewerbsdifferenzierend agieren?

Grundsätzlich muss diese Frage für jede Branche, für jede Funktion, für jede Rolle mit den dahinter liegenden Aufgaben und Tätigkeiten durchdekliniert werden und lässt sich nicht pauschal beantworten. Ich möchte aber meine Gedanken hierzu am Beispiel der Kommunikation erläutern, einer Tätigkeit, die für uns alle relevant ist.

Kommunikation ist deswegen auch als illustrierendes Beispiel gut geeignet, weil wir alle bereits selber Erfahrungen damit gesammelt haben, was es bedeutet, wenn ChatGPT, Claude oder Gemini Texte für uns erstellen, Emails vorformulieren und Antworten auf individuell gestellte Fragen geben.

Was also zeichnet Kommunikation aus, die nicht in gleicher Qualität automatisierbar ist? Wie können wir Menschen kommunizieren, wie es kein KI Agent, kein virtueller Avatar und kein KI Chatbot kann?

  • Das echte Interesse an anderen Menschen – die Basis für gute Kommunikation -, lässt sich nicht automatisieren.
  • Emotionale Kommunikation mit Augenkontakt, gepaart mit stimmiger Körpersprache, lässt sich nicht automatisieren.
  • Authentisches Storytelling, das Köpfe und Herzen berührt, lässt sich nicht automatisieren.
  • Geschichten, die bislang noch nicht erzählt worden sind, lassen sich nicht automatisieren.
  • Antworten auf Fragen, die bislang noch nicht gestellt worden sind, lassen sich nicht automatisieren.
  • Gemeinsam zu lachen – eine universelle Sprache in allen Kulturen – lässt sich nicht automatisieren.
  • Spontaner, situativer Humor, lässt sich nicht automatisieren.
  • Warmherzigkeit und Wertschätzung – die Sahnehäubchen in der zwischenmenschlichen Kommunikation – lassen sich nicht automatisieren.
  • Und grundsätzlich: Emotionen im allgemeinen lassen sich nicht automatisieren. Und bei richtig guter Kommunikation geht es immer auch darum, nicht nur Informationen zu transportieren, sondern auch Gefühle.

Wer dies in der Kommunikation beachtet, trägt eine menschliche Exzellenz bei, die den wettbewerbsdifferenzierenden Unterschied macht.

Anders ausgedrückt heißt das aber auch: Wer kommuniziert wie ein Roboter, kann ersetzt werden durch einen Roboter, bzw. Chatbot. Auch Mittelmaß in der Kommunikation, ausgedrückt in Standardphrasen, die wir von ChatGPT und Co. kennen, wenig Emotionalität und wenig Empathie, lässt sich automatisieren. Emotionslose Vorträge lassen sich automatisieren. Emotionslose Vorlesungen auch.

Exzellente Kommunikation hingegen geht anders. Damit fordert uns ironischerweise Technologie auf, in unserer Kommunikation – und in allen anderen Tätigkeiten auch – menschlicher zu werden. Und uns mehr Mühe zu geben, herauszustellen, was der Kern unserer humanen Intelligenz ist.

Fazit: Es bleibt sehr viel vom Menschen, wenn die Maschinen übernehmen

Was habe ich also meiner Assistentin geantwortet als sie fragte, welche Rolle KI Agenten und die weiteren KI Entwicklungen in ihrem Tätigkeitsbereich spielen werden. „Eine große“, lautete meine Antwort. Wir haben vereinbart, dass sie nun jede Woche persönliches „AI Upskilling“ von mir erhält. Und mit einem „AI embedded Laptop“ arbeiten wird, der ihre Arbeit erleichtert. Die wichtigste Botschaft war aber die folgende: Sie bleibt für mich unersetzlich. Als Mensch. Sie bekommt durch die neuen Entwicklungen ihrerseits wertvolle KI-Assistenz an die Hand, an die sie mehr und mehr Tätigkeiten delegieren kann. Und dann mehr zeitliche Ressourcen freigespielen kann, um ihre besonderen Stärken im zwischenmenschlichen Bereich an den Tag zu legen. Diese sind durch keinen KI Agenten zu ersetzen. Ich persönlich finde das sehr gut.

Wenn Ihr wöchentlich in 15 minütigen Learning Nuggets auf dem Laufenden gehalten werden wollt, wie KI unsere Arbeit und unseren persönlichen Arbeitsalltag transformiert, dann freue ich mich, wenn Ihr meinen englischsprachigen KI Podcast „Future of Work, Future Skills & AI“ abonniert. Er ist KI-generiert und basiert auf meinen aktuellen Publikationen und erscheint jeden Montag morgen auf allen relevanten Podcast Plattformen.