Vor etwas mehr als zwei Jahren ist mit GenAI eine „neue Spezies“ an Arbeitskraft auf den Arbeitsmarkt gekommen. Diese neue „Spezies“ unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Formen unserer menschlichen Zusammenarbeit mit Technologie. Statt nur ein Werkzeug zu sein, das wir Menschen steuern, kann KI autonom agieren, lernen, Entscheidungen treffen und auf dieser Basis eigenständig Handlungen ausführen.
Genau auf dieses autonome Agieren sind KI-Agenten spezialisiert, die nun Schritt für Schritt Einzug in unsere Arbeitswelt halten und die „nächste Stufe“ der KI-Entwicklung einleiten.
KI Agenten gelten als der wichtigste Technologietrend des Jahres 2025 – sie werden in administrativen und industriellen Anwendungsbereichen sowie in der Forschung- und Entwicklung zur Anwendung kommen. Ich persönlich bin gespannt auf meinen KI Research Agenten, der mich dabei unterstützen kann, Research über KI Agenten zu machen, während ich anderen Aufgaben nachgehe. Das klingt zunächst lustig und nach einer deutlichen Arbeitserleichterung. Dennoch werden wir uns sehr ernsthaft mit der Frage auseinander setzen müssen, was die Arbeit von uns Menschen einzigartig macht, wie wir die KI Agenten steuern, um die Kontrolle zu behalten, und welche Rolle wir zukünftig in der Arbeitswelt spielen werden, wenn Technologie immer mehr Aufgaben von uns Menschen übernehmen wird.
„AI Advancement“, wozu auch die Entwicklungen im Bereich der KI-Agenten zählen, vollzieht sich deutlich schneller als „Human Readiness for AI„. Das ist ein Problem. Denn Akzeptanz einer neuen Technologie ist immer eine direkte Funktion von Verständnis. Eine abgehängte Gesellschaft und Belegschaft tut sich nachvollziehbarerweise schwer, eine Technologie zu akzeptieren, wenn sie sie nicht mehr versteht.
Grund genug, die aktuelle Ausgabe dieses Newsletters auf das Thema KI-Agenten zu richten, um ein besseres Verständnis für diese Entwicklung zu schaffen.
Die Ära der virtuellen Mitarbeiter hat begonnen
KI-Agenten können als virtuelle Mitarbeiter oder autonome Systeme verstanden werden, die Aufgaben eigenständig ausführen können, indem sie Informationen verarbeiten, Entscheidungen treffen und mit ihrer Umgebung interagieren. Sie nutzen KI, um fortlaufend zu lernen, sich anzupassen und komplexe Abläufe zu automatisieren. KI-Agenten arbeiten rund um die Uhr, ohne Pausen oder Ermüdung. Damit können Unternehmen ihre Kundendienste und Geschäftsprozesse global skalieren, ohne zusätzliche Personalkosten und ohne geltende Arbeitszeitbestimmungen, die für Menschen, nicht jedoch für Maschinen gelten.
Erfüllen sich die Erwartungen an KI-Agenten, werden den Unternehmen bald ein Heer von virtuellen fleißigen Mitarbeitern zur Verfügung stehen, die menschliche Mitarbeiter unterstützen oder deren Aufgaben übernehmen.
Salesforce-CEO Marc Benioff sagte vor einigen Wochen auf dem World Economic Forum in Davos das folgende Zitat:
„Die hier anwesenden CEOs sind die letzten einer Generation, die nur Menschen geführt haben. Von diesem Moment an werden wir nicht nur menschliche Arbeitskräfte führen, sondern auch virtuelle Mitarbeitende.“
Die Aussage Benioffs knüpft an meine Prognose an, dass in Personalabteilungen von Unternehmen zukünftig zunehmend IT-Manager als Personaler arbeiten werden. Ihre Aufgaben bestehen in der „Auswahl“, „Einarbeitung“ und „Performance-Evaluierung“ der KI-Agenten sowie im „Enabling“ schlagkräftiger Teams aus Mensch und Maschine.
Diese KI-Agenten, die von Anbietern wie Salesforce, Celonis und OpenAI bereits in ihren ersten Versionen auf den Markt gebracht worden sind, können Handlungsabfolgen aus Einzelschritten eigenständig vollziehen, ohne dabei auf menschliche Anweisungen (Prompts) angewiesen zu sein. So kann der KI-Agent von OpenAI mit dem Namen Operator eigenständig Flug- und Hotelbuchungen vornehmen, Tische im Restaurant reservieren und Online-Einkäufe tätigen.
Unternehmen können mit dieser Delegation von nicht-kritischen Aufgaben erste Erfahrungen mit den KI-Agenten sammeln. Mit der Zeit werden die KI-Agenten sukzessive deutlich komplexere Tätigkeiten übernehmen können.
Wie arbeiten KI-Agenten?
Die Arbeit von KI-Agenten vollzieht sich in mehreren Schritten:
- Wahrnehmen: Sie erfassen Daten aus ihrer Umgebung, z. B. durch Sensoren, Kameras, Mikrofone oder digitale Schnittstellen. Sie können bspw. digitale Kalender oder Dokumente auslesen.
- Verarbeiten & Entscheiden: Mithilfe von Algorithmen und maschinellem Lernen analysieren sie die Daten, erkennen Muster und treffen Entscheidungen.
- Handeln: Sie führen eigenständig Aufgaben aus, indem sie z. B. Nachrichten senden, Antworten heraussenden, Prozesse anstoßen oder Maschinen steuern.
- Lernen & Anpassen: Durch Rückmeldungen und Erfahrungen verbessern sie ihre Leistung kontinuierlich.
Wer mit KI-Agenten zusammenarbeiten will, muss u.a. das Delegieren an Maschinen erlernen. Das ist gar nicht so leicht. Als ich vergangene Woche meinen BMW autonom in eine enge Parklücke habe einparken lassen, fiel es mir nach wie vor schwer, meine Hände vom Steuer zu nehmen, um den Parkassistenten einparken zu lassen. Das Erlernen einer neuen Technologie startet immer mit dem Verlernen bisheriger Verhaltensmuster.
KI-Agenten sind grundsätzlich vielseitig einsetzbar, in administrativen, in forschungsintensiven sowie in industriellen Anwendungen. Im industriellen Einsatz beispielsweise werden KI-Agenten vor allem in den Bereichen Predictive Maintenance, Robotik & Automatisierung, Lieferkettenoptimierung und Qualitätskontrolle zum Einsatz kommen.
Diese Entwicklungen versprechen wesentliche Arbeitserleichterungen, Produktivitätsgewinne und Qualitätssteigerungen. Die Kehrseite aus diesen Entwicklungen ist eine gewaltige Transformation unseres Arbeitsmarktes: Es werden langfristig weniger Menschen benötigt und diese weniger Menschen brauchen mehr Qualifikationen.
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Bildungssystem sind gut beraten, frühzeitig – und nicht erst mit dem Auftreten gesellschaftlicher Verwerfungen – smarte Antworten zu finden, wie wir mit dieser Transformation umgehen werden, die eine Vielzahl von uns Menschen betreffen wird.
Was folgt daraus?
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die beste Investition in die persönliche Beschäftigungsfähigkeit darin besteht, sich sehr schnell an Anforderungsveränderungen anzupassen, neue Fähigkeiten zu erlernen, offen für den Umgang mit neuen Technologien zu sein und bewusst das zu stärken, was wir als Menschen in den Tanz aus Mensch und Maschine einbringen sollten. Von den persönlichen Effizienzgewinnen im Alltag, die ich durch meine Zusammenarbeit mit KI erziele, reinvestiere ich einen großen Anteil, um das zu Erlernen und zu stärken, was ich in Zukunft benötige. Auch die leistungsfähigste Technologie ist kalt. Warmherzigkeit, Vertrauen und aufrichtige, schöne zwischenmenschliche Beziehungen bleiben unersetzlich.
Ein wichtiges PS an dieser Stelle: Heute ist Wahltag. Für mich fühlt es sich wie die wichtigste Wahl an, die ich seit meiner Volljährigkeit machen durfte. Vermutlich ist es die letzte Legislaturperiode, in der wir in Deutschland die Möglichkeit haben, nicht den Anschluss an die Weltspitze zu verpassen. Es ist Zeichen ausgeprägter humaner Intelligenz, zur Wahlurne zu gehen und eine handlungsfähige Regierung zu wählen, die weiß, wie hoch die Bedeutung von kluger, zukunftsorientierter Wirtschafts- und Sicherheitspolitik und wie neuralgisch die Bedeutung eines geeinten, starken Europas ist.