Die letzten beiden Wochen habe ich intensiv verschiedene KI-Agenten getestet. „Agentic AI“ – also der Einsatz von autonom agierenden KI-Agenten in Unternehmen und die Integration von KI-Agenten in unsere persönliche Arbeitsorganisation – stellt die nächste Stufe der KI-Transformation dar und wir sind gut beraten, uns frühzeitig mit dieser Thematik zu befassen. Denn im Jahr 2030 werden KI-Agenten so selbstverständlich zu unserem Arbeitsalltag gehören wie heute Computer oder Smartphones – als integrierte Teamkollegen, die gemeinsam mit uns die Wertschöpfung vorantreiben.
Wer mit KI-Agenten arbeitet, spürt das disruptive Potenzial dieser neuen „Spezies am Arbeitsmarkt“, die 24/7 in unserem Auftrag arbeiten, nach Bedarf skalieren und autonom definierte Aufgabenpakete erledigen können. (Mein neues Buch werde ich in enger Zusammenarbeit mit meinem Research-Agenten von Microsoft schreiben, der im Microsoft Copilot integriert ist und den ich gerade mit meinen Ideen und Daten trainiere.)
Für jede erfolgreiche Zusammenarbeit bedarf es exzellenter Kommunikation. Was bedeutet es also, mit diesen neuen digitalen Kollegen erfolgreich zu kommunizieren? Und wie verändern sich die Anforderungen an exzellente Mensch-zu-Mensch-Kommunikation, wenn weite Teile an Kommunikation zukünftig automatisiert werden können? Diesen Fragen ist die aktuelle Newsletterausgabe gewidmet.
Hybride Belegschaften aus Mensch und Maschine als „new normal“
Die Belegschaften und Teams der Zukunft sind hybrid und bestehen aus „menschlichen“ und „digitalen“ Arbeitskräften. Damit werden zukünftig zwei Kommunikationswelten relevant:
- Tiefe zwischenmenschliche Mensch-Mensch-Interaktion für mehr Wärme in der Arbeitswelt
- Zielgerichtete Mensch-KI-Dialoge für mehr Produktivität und Qualität in Arbeitsprozess und -ergebnis.
Beides erfordert besondere Fähigkeiten.
Bei der tiefen zwischenmenschlichen Interaktion ist das Ziel, so „menschlich“ zu kommunizieren, dass Automatisierung nicht mithalten kann. Es geht nicht nur um Informationsaustausch, sondern um das, was den „Zauber“ einer zugewandten, interessierten, aufmerksamen, wertschätzenden und überzeugenden Kommunikation von Mensch zu Mensch auszeichnet. Wer so kommuniziert, trägt nicht nur zu mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt bei, sondern auch zum Erhalt seines persönlichen Arbeitsmarktwerts. So wird Austauschbarkeit und Automatisierbarkeit menschlicher Kommunikation reduziert. Welche kommunikativen Fähigkeiten sollten wir hierfür bewusst stärken?
- Kontextsensitivität: Situative implizite Codes (bspw. Kultur, Hierarchie) richtig lesen & darauf eingehen
- Multidimensionale Kommunikation: Verbale Botschaften durch stimmige nonverbale Botschaften (z.B. Symbolik, Körpersprache) untermauern
- Empathische Kommunikation: Gefühle und Bedürfnisse im Gegenüber erfassen, die unausgesprochen sind
- Intuitive Kommunikation: Dem Bauchgefühl in der konkreten Kommunikationssituation Raum geben
- Nuancierte Kommunikation: Feinheiten und Details im Ausdruck berücksichtigen
- Individualisierte Kommunikation: Besonderheiten des Empfängers berücksichtigen
- Narrative Kompetenz: Botschaften in berührende Geschichten verpacken, die Köpfe und Herzen berühren
- Authentische Kommunikation: Botschaften glaubwürdig präsentieren
- Personal Branding: Botschaften mit der eigenen Personenmarke verknüpfen
- Metakommunikation: Den Gesamtkontext und das Ziel der Kommunikation erläutern
Bei der Kommunikation mit KI-Agenten sind andere kommunikative Fähigkeiten gefragt. Hier ist durch effektives „Prompt Engineering“ so zu kommunizieren, dass Auftrag und Autonomierahmen für die KI-Agenten klar definiert sind. Fehl- oder Mehrdeutigkeiten im Prompt führen zu schlechten Resultaten und Risiken. Prompt Engineering ist eine dynamische Disziplin, da sich die Large Language Modelle schnell verändern. Es geht beim Prompt Engineering aber um grundsätzliche „kommunikatorische“ Fähigkeiten wie:
- Rolle und Ziel der Aufgabe des KI-Agenten definieren
- Minimal-Rechte-Prinzip, Datensensibilität und Datenschutzbestimmungen einhalten
- Datenpool definieren und spezifizieren
- Spezifische und detaillierte Vorgaben zu Kontext, Umfang, Format, Empfänger und Ton machen
- Konkrete Beispiele geben
- Autonomierahmen klar festsetzen: Wo endet die Autonomie des Agenten?
- Iteration: Ergebnisse prüfen, Agenten Feedback geben, Prompt anpassen
- Verwendete Quellen anfordern & validieren
- Ergebnisse überprüfen und bei Bedarf weitere Iterationen einleiten
Wer die Sprache beider Kommunikationswelten von Mensch zu Mensch und von Mensch zu Maschine sicher beherrscht, verschafft sich einen großen individuellen Wettbewerbsvorteil.
Die gute Nachricht lautet: Kommunikationskompetenz ist eine gut trainierbare Kompetenz. Sie wird bei jeder reflektierten Anwendung geschärft. Und sie gehört zur Teamfähigkeit der Zukunft dazu, die durch eine „doppelte Teamfähigkeit“ aus Mensch und Maschine geprägt ist.
What’s next?
Die „Agentic AI Revolution“ hat gerade erst begonnen. Sie markiert den Übergang in eine neue Ära der Mensch-KI-Zusammenarbeit und wird unsere Arbeitsstrukturen, -prozesse, Jobprofile und Organisationsformen sowie die Anforderungen an uns Menschen grundlegend verändern. Darin kann eine große Chance liegen, wenn wir es richtig angehen.
Ich schreibe gerade an meinem fünften Buch. Ich schreibe über das, was ich während des Schreibens mache: So viel besser (schneller, akribischer, datengetriebener, angenehmer) zu arbeiten als jemals zuvor. Mit einem Team um mich herum, das aus Menschen und Maschinen besteht. Aus meiner menschlichen Agentin und KI-Agenten, die mich jeweils anders unterstützen. Ich werde sehr ehrlich darüber schreiben, wie sich dieses „neue“ Arbeiten in gemischten Mensch-Maschine-Teams anfühlt. Was wir damit erreichen können. Was machbar ist und was (noch) nicht. Ich werde keine Nachtschichten beim Schreiben mehr einlegen wie bei meinem ersten Buch. Das ist meiner humanen Intelligenz nicht zuträglich. Ich werde die Nachtschichten den Teammitgliedern überlassen, die nicht schlafen müssen. Und ich werde mich beim Arbeiten auf das konzentrieren, worauf es in der Arbeitswelt der Zukunft aus meiner Sicht am meisten ankommt:
Ein authentischer, fühlender, kreativer, empathischer Mensch zu sein, der sich in die Köpfe und Herzen anderer Menschen hineindenkt und versucht, mit meiner Arbeit einen Wertbeitrag zu leisten, wie ihn Technologie alleine nicht leisten kann.
Ich werde besonders menschlich kommunizieren, gerade weil ich durch meine Kooperation mit den Maschinen mehr Zeit für das Menschliche habe.
Wenn Ihr persönliche Themen und Fragen habt, die Euch an meinem Buch über die „schöne neue KI-getriebene Arbeitswelt der Zukunft“ am meisten interessieren, lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Schönes Wochenende,
Eure Yasmin Weiß