Wir erleben gerade die größte Arbeitsmarkttransformation, die es je gegeben hat. Noch nie war so viel Anfang wie jetzt. Während die vorherigen Arbeitsmarktrevolutionen zu einer Automatisierung physischer Tätigkeiten geführt haben, können durch die KI-Transformation nun weite Teile von kognitiven Tätigkeiten automatisiert werden. Damit sind insbesondere Wissensarbeiter betroffen – über alle Sektoren, Branchen und Funktionen hinweg.

Künstliche Intelligenz verändert Geschäftsmodelle, Arbeitsabläufe und -strukturen sowie Organigramme, Rollen und Anforderungsprofile. Gerade mit der neuen Generation an KI-Agenten, also autonom agierenden KI-Assistenten, werden Veränderungen in Unternehmen aufschlagen, die von den meisten Menschen noch nicht in der Stärke ihrer Auswirkung auf menschliches Arbeiten antizipiert werden. Wie bei jeder großen Veränderung wird es Gewinner und Verlierer geben. Ich bin überzeugt, dass gerade Frauen mit ihren Stärken und Interessen zu den Gewinnern der großen KI-Transformation zählen können. Sie können zudem einen wesentlichen Beitrag leisten, dass die KI-Transformation so gestaltet wird, dass wir nicht nur eine produktivere, sondern auch eine menschlichere Arbeitswelt schaffen und „human-centered technology“ vom Buzzword zur Realität wird. Eine Arbeitswelt also, die deutlich cooler und zugleich deutlich wärmer wird. Dieses Potenzial von Frauen in der KI-Transformation sollten wir stärker als bislang nutzen.

Status Quo: „AI Gender Gap“ und erhöhtes Jobverlustrisiko für Frauen

Trotz dieser Potenziale sind Frauen gerade dabei, sich auf die „Verliererseite“ der KI-Transformation zu stellen, wenn sie jetzt nicht bewusst gegensteuern. Studien zeigen derzeit zweierlei Tendenzen:

  • dass Frauen bei der der Aneignung von KI-Wissen und bei der KI-Nutzung aktuell noch zögerlicher sind als Männer und
  • dass gerade Tätigkeiten in Unternehmen, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, wie Assistenz-, Sachbearbeiter-, Verwaltungs- oder Kundenservice-Jobs besonders gut durch KI automatisiert werden können.

Setzt sich dieser Trend fort, zeichnet sich neben einem existierenden „Gender Pay Gap“ auch ein „AI Gender Gap“ ab, das zeitnah zu einem „Future Gender Gap“ werden kann, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Dabei gilt für alle Geschlechter gleichermaßen:

Wer KI ignoriert, wird vom Arbeitsmarkt der Zukunft ignoriert.

Frauen sind also gut beraten, die aktuellen Entwicklungen im Bereich KI nicht zu ignorieren, sondern das Gegenteil zu tun: Strategisch in den Erwerb von KI-Kompetenz und der wichtigsten Future Skills zu investieren.

Was sind wesentliche Gründe dafür, dass die KI-Transformation von mehr Frauen und die Frauen von mehr KI-Transformation profitieren?

  • Mehr Diversität in KI-Entwicklungsteams vermindert das Auftreten von Biases – also verzerrende Effekte bei der Entwicklung und beim Training von KI-Systemen – und erhöht zudem die Innovationskraft, da mehr Perspektiven in die KI-Entwicklung einfließen.
  • In vielen Zukunftsbranchen, in denen KI eine wesentliche Rolle spielt, – etwa im Bereich Robotik, Raumfahrt, Cloud – entstehen neue Jobs. Mehr Frauen mit ausgeprägter KI-Kompetenz würden den Talentpool für Arbeitgeber vergrößern und Frauen die Möglichkeit geben, in zukunftsträchtigen Branchen zu arbeiten, in denen auch in Zukunft Fachkräfte gesucht werden.

Gute Gründe sprechen also dafür, dass Frauen sich verstärkt KI-Kompetenz aneignen und sich aktiver in die Gestaltung der KI-Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft einbringen sollten. Die Chancenpotenziale sind groß.

Warum profitieren gerade Frauen von der KI-Transformation?

Grundsätzlich gilt, dass alle Geschlechter in ihre persönliche Produktivität, den Erhalt ihrer Beschäftigungsfähigkeit sowie ihren persönlichen Marktwert investieren, wenn sie lernen, KI sicher, verantwortungs- und wirkungsvoll in ihrem Arbeitsalltag zu nutzen und mit Domainwissen (wie aus Vertrieb, Marketing, HR, Finance) zusammenzuführen. Und dennoch bin ich davon überzeugt, dass gerade Frauen spürbare Vorteile erfahren, wenn sie mit KI zusammenarbeiten. Was sind die Gründe?

  • Produktivitätshebel: Viele Frauen tragen den Hauptteil der „Care-Arbeit“ zuhause für Kinder, Familie und Organisation des Haushalts. Damit haben sie oft einen „zweiten“ (Vollzeit-)Job, der sich mit der Erwerbstätigkeit vereinbaren lassen muss. Daher profitieren Frauen im Alltag ganz besonders von wirkungsvollen Produktivitätshebeln, die sie dabei unterstützen, bestimmte Tätigkeiten zu automatisieren und zu beschleunigen, um die verschiedenen beruflichen und privaten Rollen miteinander besser in Einklang zu bringen.
  • Qualifikationshebel: Um den nach wie vor existierenden Gender Pay Gap zu schließen sowie um Zugang zu spannenden, verantwortungsvollen Jobs zu erhalten, selbst wenn nicht in Vollzeit gearbeitet wird, benötigen Frauen kraftvolle Qualifikationshebel, die den persönlichen Arbeitsmarktwert und ihre Leistungsfähigkeit unterstreichen. KI-Kompetenzen stellen genau diese Hebel dar. Der Satz „Be so good that others can’t ignore you”, gilt grundsätzlich für alle Geschlechter. Die Praxis zeigt aktuell sehr deutlich: Weibliche Expertinnen im Bereich KI werden am Arbeitsmarkt nicht ignoriert, sondern das Gegenteil ist der Fall: Ihnen stehen sehr viele Türen sehr weit offen.
  • Differenzierungshebel: Es gibt eine Kompetenzkategorie, die Menschen auch in Zukunft besser beherrschen als Maschinen: Dies sind soziale Kompetenzen, in denen gerade Frauen – auch durch tägliches Training in der Care-Arbeit zuhause – besonders stark sind. Hierzu zählen zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikationsstärke, Intuition und Fingerspitzengefühl. Diese sozialen Kompetenzen zählen zu zentralen „Future Skills“, die erstens schwer zu automatisieren sind und zweitens in der Kombination mit Technologiekompetenz eine besondere Wirkung entfalten. Wenn Frauen also lernen, wie sie KI und andere Technologien sicher und effektiv einsetzen, und dies mit ihren sozialen Fähigkeiten zusammenführen, bauen sie ein wertvolles, schwer zu automatisierendes Qualifikationsprofil auf. Gerade neue Rollen, die im Zuge der KI-Transformation entstehen, wie KI-Ethikerin, KI-Forensikerin oder KI-Agenten-Dirigentin erfordern eine Fähigkeitenkombination, für die gerade Frauen prädestiniert sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Am Arbeitsmarkt der Zukunft wird die „doppelte Teamfähigkeit“ wichtiger: Damit ist die Fähigkeit gemeint, erfolgreich im Team mit anderen Menschen sowie erfolgreich mit Technologien wie KI zusammen zu arbeiten. Gerade Frauen bringen mit ihren weiblichen Stärken ein großes Potenzial mit, diese „doppelte Teamfähigkeit“ zu erlernen und wirkungsvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Wenn nichts mehr sicher ist, ist dann alles wieder möglich?

Die KI-Transformation mit ihrer Veränderungswucht bietet Risiken für diejenigen, die sich nicht schnell genug anpassen, aber auch riesige Chancen. Wir haben das erste Mal in der Geschichte die Möglichkeit, zu echter Vereinbarkeit aus anspruchsvoller, spannender Karriere und anspruchsvollen, erfüllenden privaten Rollen zu kommen, wenn wir jetzt die richtigen Weichenstellungen treffen.

Warum bin ich so zuversichtlich, dass dieser Spagat tatsächlich gelingen kann? Weil meine persönliche Erfahrung mich hier optimistisch stimmt: Wenn ich scheinbar alleine am Schreibtisch sitze, bin ich dort bei Weitem nicht alleine, sondern arbeite dort mit einem Team aus verschiedenen KI-Assistenten und KI-Agenten zusammen. Diese unterstützen mich, deutlich produktiver und deutlich angenehmer zu arbeiten als jemals zuvor. In meinem persönlichen Arbeitsalltag sind diese KI-Assistenten längst zu “Siebenmeilenstiefeln” bei der Erledigung wiederkehrender Aufgaben wie Informationsrecherche, Analysen, Präsentationserstellung, Übersetzungen, Wissensmanagement und bei der Beantwortung von Emails und Anfragen geworden. Lästige Tätigkeiten, in denen ich wenig “Purpose” sehe und die mich viel Zeit kosten, kann ich an KI delegieren. Zudem habe ich mir persönliche KI-Agenten gebaut, die mich bei wiederkehrenden Aufgaben unterstützen. So habe ich bspw. einen

  • „Research Agent“, der mich beim wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt
  • „Fact Checker Agent“, der vor Veröffentlichung meiner Publikationen die Daten auf Validität und Aktualität prüft
  • „Social Media Analytics Agent“, der laufend meine persönlichen Social Media-Aktivitäten auswertet und konkrete Hinweise gibt, welche Themen gerade auf besonderes Interesse stoßen und welche Themen weiter vertieft werden sollten.

Ich möchte diese Form der KI-Unterstützung im Alltag nicht mehr missen. Im Vergleich zu letztem Jahr kann ich mir dadurch zwei bis drei Stunden Arbeitszeit pro Tag einsparen. Ich bin zuversichtlich, dass mit dem weiteren Fortschritt von KI-Agenten bis Ende 2026 vier Stunden Zeitersparnis pro Tage (!) möglich sind. Als berufstätige Mutter “reinvestiere” ich diese Zeit wie folgt: Jeweils 60 Minuten für

  • Lernen und Weiterbildung, denn „Fortschritt im Lernen bedeutet nicht Fortgeschrittensein, sondern tägliches Fortschreiten.” Dies führt zu mehr Kompetenz.
  • Mehr Output, bspw. mehr Publikationen, mehr Vorträge oder mehr Beratungstätigkeit. Dies führt zu mehr Einkommen.
  • Mehr Zeit für meine Familie, insbesondere meine Kinder, und für mich selbst. Dies führt zu mehr Lebensqualität.

Ich finde, das sind wunderbare Gründe, warum sich der Einsatz von KI für mich persönlich lohnt.

Ich bin überzeugt davon, dass gerade Frauen – wie alle Menschen mit anspruchsvoller Rollenpluralität – besonders von den Möglichkeiten von KI im Alltag profitieren. Für mich ist die Mutterrolle die erfüllendste und zugleich anspruchsvollste Rolle von allen. Mein größtes „Warum?“ hinter meinen Bemühungen, bestmöglich im Team mit KI zu arbeiten und Produktivitätsgewinne im Alltag zu realisieren, ist, mehr Zeit zu haben für diese schönste Rolle der Welt. Zudem möchte ich einen wesentlichen Beitrag leisten, eine Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten, die durch KI nicht nur produktiver, sondern auch wärmer wird und in der die Vereinbarkeit von privaten und beruflichen Rollen besser gelingt. Das ist eine Innovation in der Arbeitswelt, von der wir alle profitieren werden. Wenn ich an meine jungen Töchter denke, ist das ein hoher Ansporn für mich, zu dieser Arbeitswelt der Zukunft effektiv beizutragen. Sie sollen sich nicht mehr entscheiden müssen zwischen Kindern einerseits oder spannender Karriere andererseits. Ich bin davon überzeugt: Solche neuen Wege entstehen nur, indem wir sie gehen. Ich hoffe, viele von Euch gehen mit.

Wenn Ihr die ausführliche Version dieser Newsletterausgabe lesen wollt, könnt Ihr dies auf der Plattform Substack tun.  Zur Langversion meines Newsletter auf Substack gelangt Ihr hier, die auch eine Einladung zu einer virtuellen Masterclass am 26.11. von 11:00 bis 12:00 zum Thema „Was bleibt vom Menschen, wenn die Maschinen übernehmen: Was die wichtigsten Fähigkeiten für den Erfolg von morgen sind“ enthält:

https://open.substack.com/pub/yasminweiss/p/cracking-the-career-code-for-women?r=4e6ub6&utm_campaign=post&utm_medium=web&showWelcomeOnShare=false

Ich hoffe, viele von Euch auf Substack wiederzutreffen, der internationalen Publikations- und Contentplattform, auf der tiefergehendes Wissen mit mehr Details geteilt wird.

Herzlich

Eure

Yasmin Weiß